Lebensart

Warum Cannabis legalisieren?

Hans Söllner ist neben seinen bayri­schen Liedern auch für eines bekannt: den Drogen­konsum. Bei Auftritten besingt er etwa Marihuanabäume oder sinniert über die berühmt­be­rüch­tigen „geringen Mengen“.

Nach einem Urteil des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richtes aus dem Jahr 1994 sollen die Länder im wesent­lichen einheit­liche Regelungen schaffen, die zur Beurteilung geringer Mengen heran­ge­zogen werden.

Ziele des dafür geschaf­fenen §31a des Betäu­bungs­mit­tel­ge­setzes sind zum Einen, einer „unnötigen Krimi­na­li­sierung entgegen“ zu wirken, erklärt Rechts­anwalt Rolf Jürgen Franke auf seiner Inter­net­seite. Zum Anderen soll die Staats­an­walt­schaft entlastet werden. Die gesparte Zeit soll zur „Bekämpfung des organi­sierten Rausch­gift­handels“ verwendet werden. So weit, so gut. Gelegen­heits­kiffer dürfen also auch dann auf eine Nicht­ver­folgung des Deliktes hoffen, wenn sie bei einer Polizei­kon­trolle einen Joint dabei haben. Aber wo hören geringe Mengen auf? Wo fängt das wirklich Illegale an? Spätestens bei der Mengen­angabe hat es mit der einheit­lichen Regelung nicht mehr so ganz geklappt. In Berlin sind es zehn Gramm, mit Glück sogar 15. In Hessen, Thüringen, Sachsen und Bayern nur sechs. In Schleswig-Holstein darf man sogar bis zu 30 Gramm Canna­bis­pro­dukte mit sich führen. Ganz zu schweigen von den ein bis drei Gramm Heroin, Kokain und Amphetamin. In vielen Ländern gibt es dann aber noch weitere Kriterien, die für oder gegen eine Straf­ver­folgung sprechen können. Einheit­liche Regelung? Nix da! Begründete Einschätzung der Menge? Puste­kuchen! Die „geringe Menge“-Regelung ist nicht das Gelbe vom Ei. Weder für die Ordnungs­hüter, die letzt­endlich nur mit dem Finger wedeln dürfen und „du du du“ sagen, noch für die Konsu­menten, die in den seltensten Fällen selbst beurteilen können, ob sie sich strafbar machen oder nicht.

Entscheidend ist, dass überhaupt einmal eine Kontrolle der Ware statt­findet.

Die Zukunft ist legal. Auch die Politik hat erkannt, dass hier Handlungs­bedarf besteht. Die Linken, Grünen und Julis plädieren deshalb für eine Legali­sierung. Von bis zu 30 Gramm Cannabis ist die Rede. Die Links­partei hat bereits einen entspre­chenden Antrag gestellt. Führer des Vorstoßes ist ausge­rechnet ein ehema­liger Krimi­nal­be­amter. Der einstige Leiter der mobilen Anti-Rauschgift-Gruppe der Polizei in Thüringen, Frank Tempel. Er behauptet, Cannabis sei nicht schäd­licher als Alkohol. Deshalb müssten maßvolle Nutzer entkri­mi­na­li­siert werden und der Schwarz­markt bekämpft werden. Eine Lösung hat er auch parat: In sogenannten „Cannabis-Clubs“ soll für regis­trierte, volljährige Mitglieder Cannabis angepflanzt werden dürfen. Ob diese Clubs nun Realität werden oder nicht – wichtig ist vor allem, dass eine bestimmte Menge legal von lizen­zierten Stellen vertrieben werden dürfen. Der Grund liegt dabei auf der Hand: Entscheidend ist, dass überhaupt einmal eine Kontrolle der Ware statt­findet. Gesund­heits­ge­fähr­dender Pilz- und Pesti­zid­befall könnte so vermieden werden. Auch dem Strecken mit anderen Stoffen würde man so entge­gen­wirken.

Rund 3 Millionen Cannabis-Nutzer
Natürlich gibt es jetzt sicher Leute, die anführen wollen, dass das Asthma- und Herzin­farkt­risiko durch Cannabis steigt. Das ist aller­dings auch beim Rauchen so. Hans-Günther Meyer-Thompson von der Deutschen Gesell­schaft für Sucht­me­dizin e.V. behauptet außerdem, dass es einen moderaten und vergleichs­weise unschäd­lichen Konsum von Cannabis gebe. Dabei spricht er nicht, wie man denken könnte, nur von Jugend­lichen, Studenten und Jungge­blie­benen, sondern von allen Wähler­schichten und „bis hinein ins Altenheim“. Nur, weil Viele es machen heißt das aber natürlich noch lange nicht, dass es auch gut ist. Das ist klar und doch muss man sehen: Derzeit konsu­mieren geschätzt drei Millionen Menschen in Deutschland Cannabis. Kaum einer hat die Möglichkeit, die Qualität der konsu­mierten Stoffe zu kontrol­lieren. Einziges Kriterium ist das Vertrauen zum jewei­ligen Dealer. Aber wer kann schon sagen, durch wie viele Hände die Drogen vorher gewandert sind? Der einzige Weg, die ohnehin existie­renden Konsu­menten zu schützen ist also eine Quali­täts­kon­trolle einzu­führen. Dafür müssen Canna­bis­pro­dukte aber zuerst einmal legali­siert werden.

→ Quelle: Zeitjung​.de

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