bezahlbare pflege
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Bezahlbare Pflege

In Haushalten älterer Menschen in Deutschland sind zurzeit etwa 100.000 und in Öster­reich weitere 30.000 Frauen aus Osteuropa beschäftigt. Sie kommen aus Polen, Tsche­chien, der Slowakei, aber auch aus Weißrussland und Georgien.

Wie kann über arbeits­markt­po­li­tische Strategien erreicht werden, dass Betreuung und Pflege von älteren Menschen zu Hause legal erbracht wird? Dies unter­sucht ein soeben gestar­tetes EU-Projekt, das von den Wissen­schaftlern des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Univer­sität koordi­niert wird.

Unter­stützung, Betreuung und zunehmend auch Pflege von älteren Menschen zu Hause kann immer weniger durch Angehörige geleistet werden, eine steigende Zahl älterer Menschen lebt allein. Viele sehen sich damit konfron­tiert, dass sie für Hilfen beim Kochen, Putzen und einfacher Pflege auf Dritte ausweichen müssen.

In Deutschland wie auch in einigen anderen europäi­schen Ländern besteht derzeit kein ausrei­chendes und vor allem kein bezahl­bares Angebot. In ihrer Not greifen deshalb viele auf Haushalts­hilfen aus osteu­ro­päi­schen Ländern zurück, die sie illegal beschäf­tigen. Durch die anwach­sende Zahl älterer Menschen, die zu Hause Unter­stützung benötigen, steigt der Handlungs­bedarf, um ein Angebot an Dienst­leis­tungen aufzu­bauen, das für alle Älteren bezahlbar ist und das fachlich geschulte Haushalts­hilfen bereithält. “Vor allem in Frank­reich sind im Rahmen des Borloo-Plans erfolg­reich arbeits­markt­po­li­tische Initia­tiven entwi­ckelt worden, die darauf zielen, solch ein Angebot zu entwi­ckeln”, erläutert die Geschäfts­füh­rerin des IWAK, Dr. Christa Larsen.“Dazu werden Langzeit­ar­beitslose syste­ma­tisch für eine Beschäf­tigung in diesem Bereich geschult und während ihrer Beschäf­tigung begleitet.”

In ihrer Not greifen viele auf Haushalts­hilfen aus osteu­ro­päi­schen Ländern zurück, die sie illegal beschäf­tigen.

Irgend­jemand muss es tun

Zudem stehen verschiedene Wege für ihre Weiter­qua­li­fi­zierung zur Verfügung. Darüber hinaus werden diese Angebot häufig subven­tio­niert, um so für alle Haushalte nutzbar zu sein. “Mit diesen Maßnahmen ist es in Frank­reich innerhalb weniger Jahre gelungen, illegale Beschäf­tigung deutlich zu reduzieren und gleich­zeitig die Beschäf­ti­gungs­si­tuation der Hausan­ge­stellten quali­tativ deutlich zu verbessern.” Im jetzt an der Goethe-Univer­sität gestar­teten Projekt soll an diese Erfah­rungen angeknüpft werden, indem explo­riert wird, welche dieser Strategien sich auf Deutschland, aber auch auf andere Länder wie Italien und Öster­reich übertragen lassen”, so Larsen, die dieses Projekt koordi­niert.

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Wir sollten dankbar sein und auslän­dische Helfer unter­stützen
Neben Wissen­schaftlern aus Italien, Deutschland und Öster­reich ist mit Prof. Aleksander Surdej auch ein polni­scher Kollege der Wirtschafts­uni­ver­sität Krakau in das Projekt einge­bunden. Er wird die Perspektive eines Landes reprä­sen­tieren, aus dem viele illegal Beschäftige kommen und in das gleich­zeitig aus Dritt­staaten außerhalb der Europäi­schen Union zahlreiche Haushalts­kräfte illegal einwandern. Im trans­na­tio­nalen Austausch werden die Wissen­schaftler in den kommenden zwölf Monaten für ihre jewei­ligen Länder unter­suchen, inwieweit einzelne arbeits­markt­po­li­tische Instru­mente aus Frank­reich übertragbar sind. “Damit diese Konzepte auch außerhalb der Wissen­schaft rezipiert werden, sollen diese in die einschlä­gigen Diskurse von Politik, Verbänden, Arbeits­ver­mittlung und Quali­fi­zie­rungs­be­reich einge­bracht werden”, so Larsen.

Diese Schnitt­stelle wird in Deutschland vom Hessi­schen Minis­terium für Arbeit, Familie und Gesundheit unter­stützt, das ebenfalls als Partner im Projekt einge­bunden ist. In den anderen Ländern übernehmen einschlägige Minis­terien ähnliche Funktionen. Darüber hinaus wird das Projekt in enger Abstimmung mit der General­di­rektion “Beschäf­tigung, soziale Angele­gen­heiten und Chancen­gleichheit” der Europäi­schen Kommission durch­ge­führt, da vorge­sehen ist, die im Projekt erarbei­teten Instru­mente weiteren Staaten in Europa verfügbar zu machen.

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