Im Bett mit Oma
Sexualität im Alter ist anders
in Vergleich zur Jugendzeit.
Zusammen sein und Nähe sind zu stärkeren Bedürfnissen geworden. Empfindungsstörungen bei der Frau
als auch beim Mann führen zu Problemen die durch Hilfsmittel behoben werden können. Sexualität beginnt im Kopf – dieser Ausspruch gewinnt in einer Zeit jenseits des Jugendwahns für viele gemeinsam gealterte Paare – und natürlich auch für sich neu findende Single-Senioren - immer mehr an Bedeutung.
Die Sehnsucht nach dem Empfang und Austausch von Zärtlichkeiten aller Art schwindet wohl erst wirklich, wenn auch der Kopf alt wird – im Gegensatz zu den Senioren vor etwa 40 Jahren sind die meisten der heute über 60-jährigen aber junggebliebene und aktive Menschen, welche der körperlichen Askese oder Abstinenz keinen Reiz abgewinnen können und wollen. Auch die Wahr-
"Das ist doch
abartig, Mama!" (aus dem
Kinofilm Wolke 9)
nehmung des eigenen Körpers verändert sich mit den Jahren – ebenso wie das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Nähe. Der eher stürmischen Jugendzeit folgt ein Gefühl der Verbundenheit ohne Zwang und Forderungen – die Vereinigung von Körper und Seele mit dem Partner entwickelt sich auf der Grundlage von Vertrauen ohne Besitzanspruch. Die körperliche Vereinigung beim Sex verändert sich so mit den Jahren und ist auch im fortgeschrittenen Alter durchaus eine Selbstverständlichkeit und ein Bedürfnis für viele Senioren. Gewachsene Vertrautheit über viele Jahre ermöglicht eine besondere Verbundenheit während der Vereinigung – und ist wohl eine der schönsten Arten das Leben an sich miteinander zu feiern.
Im Laufe der Lebensjahre kann es natürlich aus den verschiedensten Gründen zu Empfindungsstörungen sowohl bei der Frau oder dem Mann kommen. Abhilfe – sofern nicht ernsthafte gesundheitliche Probleme vorhanden sind – kann in solchen Fällen mit Hilfe sogenannter Sexspielzeuge für Senioren und/ oder Gleitgelen geschaffen werden. Begriffe wie Scheidentrockenheit oder Erektionsstörungen und deren Behandlungsmöglichkeiten sind weder den behandelnden Ärzten noch den Apothekern schon seit geraumer Zeit Fremdbegriffe in der Behandlung von Senioren. Beckenbodentrainer für Senioren und auch Vibratoren (auch in Form von Dildos) erhöhen die Empfindsamkeit und Leistungsfähigkeit der entsprechenden Muskulatur und ermöglichen eine wieder erstarkte Freude der Wahrnehmung an der eigenen Sexualität.
Die Mediziner der Universität Göteborg befragten zwischen 1971 und 2001 insgesamt 1500 70-Jährige zu ihren sexuellen Aktivitäten. Dabei nahm die Zahl derjenigen konstant zu, die regelmäßig Sex hatten. Der Anteil stieg unter den verheirateten Männern von 52 auf 98 Prozent und für die verheirateten Frauen von 38 auf 56 Prozent. Bei den ledigen Männern waren 54 Prozent sexuell aktiv, im Vergleich zu 30 Prozent Anfang der 70er-Jahre. Selbst unverheiratete Seniorinnen wagen heute mehr als 1971: Damals hatten lediglich 0,8 Prozent ein aktives Sexleben, nun sind es immerhin zwölf Prozent. Zudem gaben bei der jüngsten Befragung wesentlich mehr Frauen an, mit ihrem Sexualleben zufrieden zu sein, wie die Forscher um Nils Beckmann im „British Medical Journal" schreiben. Die Männer äußerten dagegen zunehmend Unzufriedenheit. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass es heutzutage für Männer akzeptabler ist, Schwierigkeiten beim Sex zuzugeben. Wenn das Sexleben im Alter zum Erliegen kommt, machen interessanterweise beide Geschlechter den männlichen Part dafür verantwortlich. Physische Beeinträchtigungen können im Gespräch mit dem Arzt erörtert werden.
Anne Kluck, Nikki Jansen
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Elfriede Vavrik
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»Wenn das Sexleben im Alter zum Erliegen kommt, machen interessanterweise beide Geschlechter den männlichen Part dafür verantwortlich.«
