Der will-haben-Faktor
Der Zustand unserer Republik
ist nicht gerade rosig.
Überall Korruption in Politik und Wirtschaft. Arbeitslosigkeit und endlose Hartz-IV-Diskussionen. Dazu kommt ein niedriges Bildungsniveau. Hilft da nur noch Konsumieren und Spaß haben? Es wird eng für viele: Die Werbung möchte zwar immer noch vermitteln, wie schön und günstig alles zu haben ist, allerdings subtiler und etwas intelligenter als vor ein paar Jahren mit dem Werbe-Spot: "Mein Haus, mein Auto, meine Karriere." Neue Lebensformen, weg vom gültigen Wertesystem, könnten möglicherweise Lösungen zum bestehenden Desaster bringen.
Veränderungen und Mutige, die dafür Worte und Argumente finden, fehlen heute. Rudi Dutschke, der dieses Jahr 70 geworden wäre, war getrieben von dem Wissen: „Gesellschaft kann verändert werden.“ Die Frage: Arbeiten um zu leben oder Leben um zu Arbeiten stellt sich neu. Arbeit für alle gibt es nicht mehr und voraussichtlich wird sich das in absehbarer Zeit auch nicht verändern.
Was will ich? Was muss sein?
Jedes Jahr ein neues Handy? Den 14. schwarzen Pullover? Das so schicke 24-Teile-Designer-Service für einen Single? Muss ich unbedingt auf die Malediven? Als Schnäppchenjäger wird das nicht besser, 37 Schnäppchen die ich nicht brauche, kosten auch Geld. Wenn man sich mal die Mühe macht
Den Eigenwert
über Dinge zu definieren,
funktioniert nicht
und alle Schränke, Kisten, Kasten und Keller ausräumt, stapelt sich Überflüssiges bis zur Decke, ein heilsamer Schock.
Der Werbespruch: „Man gönnt sich ja sonst nichts“, Malteser Aquavit, augen-
zwinkernd präsentiert vom dicken Günter Strack, geistert wahrscheinlich heute noch in den Köpfen rum, vor allem in denen zu dicker Menschen.
Darauf noch ein Creme-Schnittchen, hilft nur den Speckröllchen. Nach dem Ärger im Job, mit Freunden oder Partnern, rennen viele los und „gönnen“ sich was. Der Konflikt, das Problem ist damit zwar nicht behoben, aber gut verdrängt und in die Ecke gestellt. Mit neuen Schuhen schreitet man lockerer darüber hinweg. Solange das Geld dafür vorhanden ist, aber was ist,
wenn man sich das nicht mehr leisten kann?
Was brauche ich?
Was man alles braucht, oder besser nicht braucht, das herauszufinden lohnt sich. Den Eigenwert über Dinge zu definieren, funktioniert nicht. Das Shirt von Dolce & Gabbana lässt den Selbstwert nicht wachsen und gibt einem keine tragende Persönlichkeitsstruktur. In Umfragen, nach dem, was uns wichtig ist, kommen mehrheitlich ethisch hohe Werte zu Tage. Arbeit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Partnerschaft, Reichtum, Freude, Kommunikation; und das gibt es nicht zu kaufen.
Was ist mir wichtig? Der Rest kann weg
Der Frühlingsputz steht schon vor der Tür, gute Gelegenheit gleich mal auszumisten. Wohltuender Freiraum zeigt sich, Frische breitet sich aus, es gibt mehr Platz zum Denken, schweben, Sein. Abstauben wird ein Kinderspiel und die Wohlfahrt freut sich über Ihre Gaben. Oder man trägt alles in Second-Hand-Shops und gutes, brauchbares wird freudig weiter verwendet. Veränderung in der eigenen, kleinen Welt ist ein Anfang. Wir müssen nicht gehetzt, als manipulierte Konsumenten hinter Markenartikeln her sein, es ist unsere Entscheidung.
Die Leistungsgesellschaft bedient in erster Linie die Wirtschaft und die Wirtschaft liegt am Boden. Wer Arbeiten will, bekommt auch Arbeit, stimmt nicht mehr. Neue, andere Werte müssen gefunden, geschaffen werden. Neue Dinge, Sachen, Zeug, was wir nicht brauchen, aber kaufen sollen, lösen nichts.
-TaTa-
Monodisticha Sapientium (oben rechts): Daniel Czepko von Reigersfeld
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Media-Markt Eröffnung Alexa
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»Nichts wird,
nichts ist, nichts bleibt im Himmel und auf Erden, als diese zwei: Das ein' ist das Tun, das andre Werden.«
